Alkohol bei CED - "... nicht so toll"

Meine sehr geehrten Patienten !

“Am besten sind alltagsrelevante Themen !”

Gemeint war: für den Blog.

Was ist denn interessant für Patienten mit CED ? – war die Frage.

Nicht, dass ich davon ausgehe, dass für Sie als Patient mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung, einem M. Crohn oder einer Colitis ulcerosa, Alkohol ein Alltags-Thema ist. Im Sinne von: ist jeden Tag Thema. Vielleicht mal Thema für einen besonderen Tag oder Abend oder auch ein Wochenende oder ein paar Tage im Urlaub.

In den letzten Wochen wurde ich oft gefragt:

“….Was ist mit Alkohol ?”

Und die meisten hatten wohl schon “so ein Gefühl”, wenn man es so nennen will. Denn ganz häufig kam der Nachsatz: “…wahrscheinlich nicht so toll, oder ?”

Dieser Nachsatz kam vielleicht auch deshalb so oft, weil ich nicht wie aus der Pistole geschossen geantwortet habe.

Mir geht es ja immer darum, nicht zu rigoros zu sein. Dieses: tu dies nicht, laß jenes, … das bringt nichts, das führt nur zu schlechter Laune und Frust (in genau der Reihenfolge). Ich komme ja eher von der Seite, dass ich meinen Patienten erkläre, warum etwas, in diesem Falle Alkohol, “nicht so günstig” ist bei den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen M. Crohn und Colitis ulcerosa. Und ich hoffe immer, dass die Information und Erkenntnis, warum bestimmte Dinge einfach nicht förderlich für die Darmgesundheit sind, grade bei CED, dazu führt, dass meine Patienten von sich aus denken: “… also wenn ich mit meiner chronisch entzündlichen Darmerkrankung, meinem M. Crohn und meiner Colitis ulcerosa etwas tue, was meinen Darm und mein Immunsystem dermaßen negativ beeinflust oder auch nur beeinflussen kann ….- ich wäre ja schön blöd !”

Aber grade Alkohol gehört wirklich zu den Dingen, die so sehr auch mit der Umwelt im Sinne von Situationen, Mitmenschen, sozialen Gepflogenheiten , Zugehörigkeit (eigentlich “Dazugehören”) zusammenhängen, dass es für viele wirklich schwer ist, da ihren eigenen Weg zu gehen und eigene Regeln aufzustellen. Und die dann auch konsequent zu befolgen.

...die gute und die schlechte Nachricht

Die gute Nachricht: 1 Glas Wein pro Woche wird Sie nicht in den schweren Schub Ihrer CED, Ihres M. Crohn oder Ihrer Colitis ulcerosa katapultieren. Das wissen die meisten von Ihnen (aus Erfahrung).

Die schlechte Nachricht: wenn aus einem Glas Wein 2 oder 3 werden und das mehrmals in der Woche, sind Sie leider im Begriff, die Weichen in eine ganz falsche Richtung zu stellen. Aus der Literatur zu dem Thema kann man  ´rauslesen: 1 bis maximal (!)  3 Gläser Wein  pro Woche sind aller Wahrscheinlichkeit noch ok. Meint: schaden dem Darm nicht übermäßig.

Ich denke, ich nehme nicht die Spannung aus dem Artikel wenn ich Ihnen jetzt schon verrate (trotzdem ich Ihnen eben grade geschrieben habe : 1 bis 3 Gläser sind ok): im Zweifelsfall – bleiben lassen ! Bevor es doch jede Woche 4 bis 5 Gläser werden – lieber ganz weglassen. Ernsthaft.

Und Sie hätten das schon vermutet (wie meine Patienten: “…wahrscheinlich nicht so toll!”).

Alkohol ist ja fast wie Rauchen, sehr verbreitet, hilft  aber im Grunde zu keinem Zeitpunkt wirklich weiter. Gesünder wird man davon nie. So einfach.

Was Alkohol am Darm macht, hat man  – Sie ahnen es – untersucht. An Menschen, an Tieren, man hat untersucht, was Alkohol bei Patienten mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung, mit einem M. Crohn oder einer Colitis ulcerosa macht. Man hat untersucht, was Alkohol mit der Darmflora, also dem Mikrobiom macht.

Und es macht natürlich einen Unterschied, ob man Alkohol trinkt oder nicht.

was wir über die Wirkung von Alkohol im Darm wissen...

Und ja, man hat in erster Linie die Auswirkungen von “regelmäßigem Alkohol-Konsum” untersucht. In einigen Studien mit Patienten mußte die Diagnose “schädlicher Alkohol-Konsum” in der Krankenakte verschlüsselt sein. Dafür … braucht`s n bissl´ “Einsatz”, was den Alkoholkonsum angeht. Will sagen, das waren Patienten, die aufgrund von  Alkohol (zu viel davon) schonmal in ärztlicher Behandlung waren. Auch in den Tierversuchen hat man  die Wirkung einer bestimmten Menge Alkohol über mehrere Wochen untersucht.

Ich schreibe Ihnen das, weil ich nicht gerne “unseriös” bin und einfach Ergebnisse aus dem Kontext nehme, in dem Sie nunmal entstanden sind. Und an der Stelle so täte, als hätte man die Wirkung von dem besagten 1 Glas Wein pro Woche untersucht und all die negativen Auswirkungen, um die es gehen wird, festgestellt.

Aber ich möchte Sie motivieren, dennoch eine Sache ganz klar zu erkennen: im besten Fall, macht Alkohol “nichts” am Darm. Also auch nichts Gutes oder nichts, wovon es Ihrem Darm besser geht (denn dem geht es ja mit der chronisch entzündlichen Darmerkrankung erstmal nicht so gut).  In jedem anderen Fall fügt er Ihrem Darm, der Integrität der Schleimhautbarriere, dem Mikrobiomn Schaden zu. Niemals wird er zu einer Verbesserung oder Stabilisierung Ihrer chronisch entzündlichen Darmerkrankung beitragen.

Nur, dass wir uns hier nicht verzetteln…

Also was macht Alkohol am Darm ?

All das, was es braucht , um im Darm Entzündung zu begünstigen oder sogar  entstehen zu lassen.

1) Die “Schleimhautbarriere” wird gestört oder sogar zerstört. Das fängt damit an, dass die wichtige Schleimschicht auf der Schleimhaut nicht mehr intakt ist und geht damit weiter, dass die Barriere der oberflächlichen Zellschicht nicht mehr intakt und somit “dicht” ist. Die sogenannten “tight junctions” halten die Zellzwischenräume nicht mehr dicht, es entsteht ein “leaky gut”. Das Zytoskelett der Epithelzellen wird geschädigt….

Was ?!

Die Wand der Zellen der Darmschleimhaut wird geschädigt. Ihr Gerüst wird angegriffen. Und diese Barrierestörung  ist nach wie vor ein absolut grundlegender Mechanismen für die Entstehung von den beiden chronisch entzündlichen Darmerkrankungen M. Crohn und Colitis ulcerosa. 

... und das ist: nichts Gutes

… also die Schleimhautbarriere wird gestört. Und diese vermehrte Durchlässigkeit sorgt dafür, dass Mikrobestandteile,  winzigste Moleküle durch die Darmschleimhaut in Kontakt mit dem Immunsystem, also den Abwehrzellen der Darmschleimhaut kommen. Das sind sogenannte Endotoxine, Gifte, die von Bakterien freigesetzt werden. Das sind zum Teil die Bakterien selbst. Nicht in dem Ausmaß, dass Sie gleich mit einer Blutvergiftung hintenüberkippen. Aber eben genau in dem Ausmaß, dass Ihr Immunystem in der Darmschleimhaut ganz schnell in Aktion tritt. Und was passiert, wenn Ihr Immunsystem im Darm in Aktion tritt, muß ich Ihnen nicht sagen. 

Das bedeutete : Entzündung. Das bedeutet eine Aktivitätszunahme oder sogar einen Schub Ihrer chronisch entzündlichen Darmerkrankung, Ihres M. Crohn oder Ihrer Colitis ulcerosa

Alkohol macht all das, was Ihre CED aktiviert !

2 ) Alkohol an sich triggert das Immunsystem. Also auch ohne erst die Schleimhautbarriere des Darmes zu zerstören. Das ist natürlich auch für Ihre CED relevant und erklärt auch die meisten anderen Schäden, die im Körper durch Alkohol entstehen. Alkohol wirkt generell “proinflammatorisch”, begünstigt also Entzündungen.

3) Alkohol wirkt sich auf das Mikrobiom aus. Auf die Darmflora.  Alkohol führt zu einer sogenannten  “Dysbiose”, das bedeutet ein Ungleichgewicht der Darmbakterien. Ganz grob unterscheidet man ja “gute” und “schlechte” Darmbakterien.

(Ich mag diese Unterscheidung überhaupt nicht. Denn – wie im richtigen Leben – die “Guten” brauchen die “Schlechten” brauchen und umgekehrt. Nur so ist es ein “Gleichgewicht”. Aber darum soll es jetzt gar nicht gehen…).

Zwischen den “guten” und den “schlechten” Darmbakterien besteht bestenfalls ein Gleichgewicht. Und bei einer Dysbiose nehmen die “schlechten” Darmbakterien zu und die “Guten” ab. Und die schlechten Darmbakterien machen mehr “schlechte” Stoffwechselprodukte, die dann dementsprechend auch zunehmen.

Das ist auch ein ganz grundlegender Mechanismus bei den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.  Was da die Henne ist und was das Ei (also erst Dysbiose, dann CED oder erst CED, dann Dysbiose) ist bislang nicht ganz geklärt.

Tatsächlich schreibe ich hier Alkohol, aber prinzipiell wird Alkohol im oberen Dünndarm resobiert (also in den Körper aufgenommen) und es sind effektiv die Stoffwechselprodukte, die den Schaden anrichten.

Man geht davon aus, dass ein Bestandteil von Alkohol, der die Schleimhaut schädigt, Sulfit ist. Und bei Patienten mit Colitis ulcerosa schienen sogar Alkoholika mit weniger Sulfit weniger Schaden anzurichten als Alkoholika mit mehr Sulfit. Aber auch das ändert nichts daran, dass Alkohol ab einer bestimmten, gar nicht so großen Menge einfach schädlich für unseren Darm – und machen wir uns nichts vor: für den Rest unseres Körpers ist.

Deswegen: im Zweifelsfall: ganz weglassen !

Worum geht`s ?

Wenn ich Sie an der Stelle fragen würde: “halten Sie es also für möglich, dass Alkohol einen Schub einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung, eines M. Crohn oder einer Colitis ulcerosa auslöst und Beschwerden verstärkt ?”

Ihre Antwort wäre wohl : “ja, klar !”

Und so ist es auch, man hat das untersucht: Alkohol kann Schübe auslösen und bei vielen Patienten führt Alkohol zu einer Zunahme der Beschwerden. Einige CED-Patienten merken auch keine Veränderungen, wenn Sie Alkohol trinken  (vielleicht die, die sich doch besser ernähren…?). Und klar, ich schrieb es oben schon, 1 x 1 Glas Wein pro Woche kann gar nichts von all dem, was ich aufgelistet habe, machen. Aber worum geht es in Ihrem Fall bei einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung, bei einem M. Crohn oder einer Colitis uclerosa ? Worum sollte es bei allen Ihren Entscheidungen immer gehen ? Sich selbst nicht zu schaden.

Ich will mal nicht so sein….ich verrate Ihnen noch kurz, wodurch durch  Alkohol verursachte Schleimhautschäden etwas abmildern werden können. (Wobei … das ist Ihnen klar,  wenn man einmal anfängt mit diesem: … ich sollte und wollte ja eigentlich nicht, aber ich hab`s doch getan, aber dafür habe ich dann ja auch wieder dieses und jenes getan …. Also das ist irgendwie Blödsinn. Verzeihung, aber so sollte man an die Dinge nicht herangehen. Das wissen Sie aber. ) Es sind genau die Lebensmittel oder Nahrungsbestandteile, die sowieso super für den Darm sind und um die es auch schon in anderen Artikeln zum Thema Ernährung ging: Probiotika (z. B. Lactobacillen und Bifidobakterien) und Ballaststoffe. Die zwei Nahrungsbestandtteile, die ja sowieso einfach super sind, helfen auch ein bißchen gegen Alkoholschäden an der Darmschleimhaut.

Oh und wissen Sie, was die Darmzellen noch stärkt und die Schleimhaut schützt ? Auch gegen Alkohol (bedingt!): Vitamin D – logisch (ich sag ja immer: Vitamin D kann fast alles) ! 

Einmal mehr alles Gute. 

Beste Grüße

Ihre Dr. med. Susanne Weyauch

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