Corona / Covid-19

Meine sehr geehrten Patienten!

Als ich das hier schreibe ist aus der Epidemie eine Pandemie geworden und wir haben hier in Deutschland und auch in zahlreichen anderen Ländern weltweit Ausgangsbeschränkungen oder sogar Ausgangssperren. Ganz am Anfang, vor einigen Wochen dachte ich auch eher: jetzt entspannt Euch mal! Da bin ich ganz ehrlich. Und ich weiß auch, so wie mir ging es vielen. Niemand hätte vermutet, welche Entwicklung alles nehmen würde. Und wie sehr wir auch alle unsere Haltung dazu ändern würden. Hätte man mir vor 5 Wochen gesagt: in 5 Wochen sitzen morgens noch 4 Menschen im Großraumabteil des – ansonsten vollen ICE von Nürnberg nach München, es gilt eine Ausgangsperre oder Beschränkung, die meisten Geschäfte haben zu… – das wäre undenkbar gewesen. Ich hätte das als “Panikmache” abgetan. Aber jetzt ist es wie es ist und jetzt geht es darum, sich richtig zu verhalten. 

In der letzten Woche haben mich viele Patienten kontaktiert, alle mit den gleichen Fragen: bin ich besonders gefährdet? Wie soll ich mich verhalten?

Und: soll ich mit der Therapie weitermachen? Die schwächt doch meine Immunabwehr, die ich jetzt so dringend brauche!

Fragen, die ich am Anfang auch eher aus dem Bauch heraus beantwortet habe. Und aus meinem Ansatz, lieber erstmal vorsichtig zu sein.

Dass man die Therapie nicht einfach so aussetzt oder beendet, war klar. Es geht immer darum, einen Schub zu vermeiden, weil der im Falle gefährlicher ist als alles andere und letztlich dann doch und zwar zwingend einer Therapie bedarf. Und zwar nicht weniger, sondern meist mehr Therapie.

Ich habe allen meinen Patienten gesagt: passen Sie auf sich auf. Achten Sie ganz konsequent auf die allgemeinen Verhaltensregeln:

Distanz zu anderen! Kontakt meiden! Hände weg vom Gesicht! Hände waschen, wann immer es geht! Wenn möglich desinfizieren.

Und ich habe auch allen von Anfang an empfohlen, zu Hause zu bleiben, mit dem Arbeitgeber über Homeoffice zu sprechen (klingt heute fast witzig, da jeder, der nur irgendwie kann, Homeoffice macht), habe diverse Atteste über chronische Erkrankungen und immunsuppressive Therapie geschrieben.

Was wissen wir?

Inzwischen gibt es einige Informationen von den Fachgesellschaften, ganz konkret für Sie als Patient mit CED, chronisch entzündlicher Darmerkrankung. Das macht es auch für uns Ärzte einfacher, wir alle sind froh über Entscheidungshilfen dieser Tage.

Und es gibt bereits ein Register, in dem Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, die an Corona / COVID-19 erkrankt sind, registriert werden (anonym versteht sich), wo auch der Verlauf registriert wird. Das wird uns allen hilfreiche Informationen geben.

Und ich kann Ihnen sagen: als ich diesen Artikel schreibe, gibt es 117 beschriebene Fälle von Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, die an COVID-19 erkrankt sind. Was angesichts der Ausbreitung nicht viel ist. Was gut ist.

Grade die europäische Organisation (ECCO, die mit dem Kongress aus den letzten Artikeln) sind da wirklich dran, uns als Ärzten und durch uns Ihnen als Patienten Verhaltensmaßnahmen an die Hand zu geben, wie wir gut durch die Pandemie durchkommen.

Was sagen und empfehlen jetzt die Fachgesellschaften? Nun, die erwähnen auch als erstes und Mantra-artig die allgemeinen Empfehlungen: Abstand. Händehygiene. Hände weg vom Gesicht. Nach Möglichkeit zu Hause bleiben. 

Was noch?

Arzttermine: Termine beim Arzt und bei Ihnen auch grade die regelmäßigen Termine in der CED-SpezialSprechstunde: stellen Sie sich und ihrem Arzt die Frage: ist der Termin wirklich erforderlich? Gibt es wirklich etwas, was in der Praxis, in der Ambulanz jetzt besprochen oder gemacht werden muss (inclusive Blutentnahme oder auch Calprotectin-Bestimmung! Wenn es Ihnen gut geht, Sie stabil sind, ist es nicht immer zwingend notwendig, diese Diagnostik zu machen)? Oder hat das vielleicht doch 4 Wochen Zeit? Oder auch 8, wenn es das braucht.

Vielleicht hat die Situation sich dann entspannt, sicher nicht ganz normalisiert, aber vielleicht sind die Infektionen dann deutlicher auf dem Rückzug.

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, dem Praxisteam. Sagen Sie Ihren Arzttermin im Falle ab, bitten Sie stattdessen um einen Telefontermin. Ich saß diese Tage viel am Telefon, funktioniert hervorragend für alle. Und man kriegt schon raus, wen man “sehen” muss und wen nicht.

Und wie wichtig es ist, dass wir Ärzte mehr Online Sprechstunden anbieten, wird spätestens jetzt ganz klar. Das dürfen wir viel mehr anbieten und ich werde das ganz sicher tun.

Was bedeutet das für Therapien?

Therapien: Infusionen, Injektionen und Tabletten oder auch die Klysmen oder Einläufe, die viele von Ihnen nehmen. Also die Termine für die Infusionen: da ist es anders als bei Routine-Sprechstunden-Terminen. Das ist Ihre Therapie, die brauchen Sie, damit Ihre Erkrankung stabil bleibt. Bitte nach Möglichkeit die Infusion regelmäßig weiter durchführen. Die Therapie schützt Sie vor einem Schub. Wenn Sie einen Schub kriegen, macht das – wie immer – alles (auch grade in der aktuellen Situation) viel schwieriger. Denn spätestens dann müssen sie doch Medikamente bekommen, meist sogar mehr oder höher dosiert. Womöglich müssen Sie sogar in die Klinik und ich denke, alle haben verstanden, dass das wirklich nicht das ist, was im Moment irgendwem weiterhilft.

Deswegen: Therapie unbedingt fortführen, die Termine für die Therapien halten.

Auch die Tabletten: weiternehmen. Das Salofalk, das Azathioprin, im Falle das Cortison, wenn es auf ihrem Plan steht.

Und ich verstehe Ihre Situation: klar haben Sie sich im Falle den Beipackzettel nochmal durchgelesen und dachten: mit dem Medikament bin ich doch eigentlich gefährdeter für das Virus! – erhöhte Infektneigung steht da dann meistens.

Aber nochmal, ein Schub wird Sie schwächen und dann sind Sie erst recht gefährdet für das Virus. Also bitte die Medikamente weiter nehmen und das ganz konsequent. 

Und was, wenn die Praxis anruft, dass die Infusion nicht pünktlich geliefert werden kann oder die Infrastruktur der Praxis nicht mehr geeignet ist. Vielleicht kann der Mindestabstand nicht gewährleistet werden. Vielleicht gab es Erkrankungen, Quarantäne für Mitarbeiter und das Personal ist dezimiert.

Wenn sich die Infusion um 2 Wochen verschiebt – ok. Als Ausnahme (!) möglich. Es gibt auch Präparate, die können im Einzelfall auch bis zu 8 Wochen verschoben werden, aber das ist schon viel. Und birgt ein Risiko für Sie. Versuchen Sie wirklich, diese Situation zu vermeiden.

Sprechen Sie also bei Verschiebungen zeitnah mit der Praxis, welcher Alternativtermin angeboten werden kann.

Ausnahme: wenn bei Ihnen der konkrete Verdacht auf eine Erkrankung besteht. Sie Symptome haben, in einem Risikogebiet waren (Ok… seien wir ehrlich, das ist im Moment fast die ganze Welt) oder Sie Kontakt zu einer sicher an COVID-19 erkrankten Person hatten.

Dann sollten Sie ohnehin mit Ihrem Arzt und dem Gesundheitsamt Kontakt aufnehmen.

Keine Angst!

Generell: es gibt noch keine Daten, dass Patienten mit Immunsuppressiver Therapie stärker gefährdet sind. Natürlich ist die Zeit auch noch relativ kurz und in dem Moment in dem ich das schreibe, nehmen die Infektionen eher noch zu. Aber bislang kamen keine Berichte oder Meldungen, dass z.B. Patienten mit immunsuppressiver Therapie überdurchschnittlich häufig betroffen wären oder schwere Verläufe hätten.

Endoskopien und andere Diagnostik (MRT, Sonographie, CT): Alles, was nicht absolut notwendig ist und aus dem sich akute Konsequenzen ergeben, bitte verschieben (Das natürlich bitte mit Ihrem Arzt besprechen und nicht in Eigenregie entscheiden und Termine absagen).

Wenn es Ihnen gut geht, spielt es keine Rolle, ob diese Untersuchung heute oder morgen oder in 6 Monaten durchgeführt wird. Die Empfehlung lautet wirklich, nur absolut notwendige Untersuchungen durchzuführen.

Das ist, was ich Ihnen heute dazu sagen bzw. schreiben kann. Zusammenfassend denke ich dürfen wir heute davon ausgehen, dass Sie als Patient mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung, einem M. Crohn oder einer Colitis ulcerosa – wie wir alle – aufpassen dürfen und müssen. Aber dass Sie keine Angst haben müssen.

Ich hoffe, Ihnen mit diesen Informationen weitergeholfen zu haben.

 

Ich halte Sie auf dem Laufenden und wünsche Ihnen alles Gute!

Beste Grüße,
Dr. med. Susanne Weyrauch

RELATED TOPICS

Hautsache, das… EIM der Haut

Hautsache, das... ! EIM der Haut Meine sehr geehrten Patienten ! Warum eigentlich nicht gleich weiter mit den EIM, den extraintestinalen Manifestationen ? Auch die Haut und die Schleimhaut (genauergesagt:

Was guckst Du…? – EIM der Augen bei CED

Was guckst Du ? - Augenbeteiligung bei CED Meine sehr geehrten Patienten ! Viele Ideen zu haben, ist schon super, aber dann  parallel 3 Blog-Artikel zu schreiben, macht`s nicht einfacher.

Entspannen Sie sich…!

Entspannen Sie sich...! Meine sehr geehrten Patienten !Entspannen Sie sich !Ich meine es ernst. So banal und als Phrase abgedroschen das klingt - ich meine es ganz ernst. Achten Sie darauf,

Das Mikrobiom – macht einen Unterschied …

Mikrobiom - immer wichtig auch bei stress Meine sehr geehrten Patienten ! Jetzt hatte ich Ihnen im letzten Artikel ziemlich ausführlich geschrieben, wie Stress über Nervensignale den Darm beeinflussen kann

Stress – und was passiert am Darm ?

... STress - Auswirkungen auf den Darm Meine sehr geehrten Patienten, Stress steht im Grunde bei allen ganz oben auf der Liste, wenn es darum geht: Was beeinflusst die chronisch