COVID 19 gibt`s was Neues

Meine sehr geehrten Patienten !

Ich schreibe Ihnen jetzt keine geheimen Daten, die nur in speziellen Kreisen veröffentlicht werden. Sondern das, was man unter dem Link https://covidibd.org/updates-and-data jederzeit abrufen kann.  Dort sind die Zahlen (nahezu weltweit) der gemeldeten Patienten mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung und COVID 19 Infektion aufgeführt. 

Wie alle wissen bin ich eine Freundin der sachlichen Information. Dazu würde ich diese Zahlen jetzt mal rechnen. Und doch habe ich ein bißchen überlegt, ob ich den Link hier teile. Weil ich bei mir selbst gemerkt habe, dass man zwar  – ganz sachlich – die Zahlen lesen und zur Kenntnis nehmen kann. Aber was Sie – und mich – ja interessiert ist die Frage – was sagt mir das zu meiner “Gefährdung” bzw der “Gefährdung” meiner Patienten an dem Virus zu erkranken?

Was bedeuten diese Zahlen?

Ich schaue die Zahl alle paar Tage an und denke immer: sind ja nicht so viele.

Was stimmt. In Deutschland haben wir > 400.000 Patienten mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung, die Zahlen in USA liegen bei > 1. Mio. Und wenn man sich vor dem Hintergrund die Anzahl der an COVID-19 erkrankten Patienten mit M. Crohn und Colitis ulcerosa anschaut – es sind nicht viele!

Klar hat die Meldung von Patienten eine Latenz. Klar werden bei sowas nie alle bis auf den Letzten oder die Letzte gemeldet. Aber das ändert nichts: es sind nicht viele.

Und ich halte die Zahlen auch für repräsentativ, da die Patienten mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung schon eher zu den Patienten gehören, die in gewisser Regelmäßigkeit Ärzte sehen. Oder Kontakt zu Arztpraxen haben.

Also ich würde behaupten, seit Mitte März … ich habe viele meiner CEDPatienten gesehen. Mit denen, die ich nicht gesehen habe, habe ich telefoniert und tue das immer wieder.

Und wenn ich nur ein Rezept ausgestellt habe, wurde mir das von meinen Kolleginnen vorgelegt mit der Bemerkung: Herr X oder Frau Y hat angerufen, braucht ein neues Rezept für “welches Medikament auch immer”  … Es geht ihm oder ihr gut.

Also dass Patienten mit einem M. Crohn oder einer Colitis ulcerosa – wenigstens in Deutschland, bei der Versorgungslage hier – ernsthaft krank werden und es niemand aus dem Behandler-Team merkt, ist sicher selten.

das ist mir zu den Zahlen durch den Kopf gegangen ist:

 

  1. Die Gesamtzahl ist nicht hoch. Z.B. in Deutschland: 26 Patienten mit chronisch entzündlicher Darmerkrankung, die mit COVID-19 infiziert sind. Das ist nicht viele. Ich denke, die “CED-Community” der Ärzte, also die Kollegen, die in Deutschland CED Patienten betreuen … also ich würde denken, wer hier Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen versorgt, kennt diesen Link und weiß, dass wir die Patienten “melden” sollen. Und würde das auch tun (Anonym, klar!).Und selbst die 321 COVID-19 Patienten mit chronisch entzündlicher Darmerkrankung in den Vereinigten Staaten – die meisten von Ihnen kennen die Zahlen aus den Nachrichten, man kommt ja schier nicht drum herum, sie zu kennen – es sind nicht viele.

  2. Der größere Anteil der Erkrankten kann ambulant behandelt werden, muß noch nicht einmal ins Krankenhaus. Wobei …

  3. Auch für die Gruppe der Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen gilt : Alter (ich denke auch hier > 65 Jahre) erhöht das Risiko stationär versorgt werden zu müssen, also einen schwereren Verlauf zu haben.Und in dem Moment ändert sich das auch mit der Häufigkeit der Notwendigkeit einer stationären Versorgung. Sprich ab 65 Jahren müssen dann doch wieder mehr stationär versorgt werden als ambulant.
  1. Mit Blick auf das Erkrankungsstadium: die meisten Erkrankungen gibt es bei Patienten in Remission. Das sind natürlich auch alles Patienten unter wirksamer Therapie und vermutlich auch grade immunsuppressiver Therapie!

    Sagt uns das was?
    Ich denke, es läßt nicht den Rückschluß zu: Wer als Patient mit chronisch entzündlicher Darmerkrankung unter Therapie steht, – das sind so gut wie alle und die meisten Therapien machen auch etwas mit dem Immunsystem – infiziert sich mit oder erkrankt an COVID 19. Dafür sind die Zahlen insgesamt zu niedrig.

    Also ich habe allein in meiner Sprechstunde mehr Patienten auf immunsuppressiver Therapie als überhaupt in Deutschland erkrankt sind. Und ich habe keine COVID-19 positiven Patienten bislang.
  1. Mit Blick auf die Therapien… Also welche Therapien haben Patienten mit Crohn oder Colitis ulcerosa, die an COVID 19 erkrankt sind, erhalten?

    Da würde ich gar nichts `draus ableiten.

    Denn wie gesagt, die Zahlen sagen uns, wer von den an COVID 19 Erkrankten welche Therapie hat. Sie sagen aber nicht, wieviele von allen Patienten mit einem bestimmten Medikament letzlich erkranken. Also zum Beispiel (wirklich nur ein Beispiel): wenn Sie 5 Patienten mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung haben, die ein Cortison-Präparat erhalten und es erkranken davon 4 an COVID 19, dann ist das anteilsmäßig mehr (nämlich 80%)  als wenn sie 500 Patienten haben, die einen TNF alpha-Antikörper erhalten und von den 500 erkranken 50 (nämlich 10%).  Obwohl die Zahl 50 viel größer ist als die Zahl 4. Sie verstehen den Punkt?

Was sagt uns das?

Und an diesem letzten Punkt merkt man schon: das in der Statistik sind einerseits interessante Zahlen, aber sie sind in der Aussage dann doch auch wieder begrenzt.

Und trotzdem dachte ich mir: vielleicht interessiert es Sie und ich wollte es teilen.

Weiterhin gilt: Aufpassen, die allgemeinen Maßnahmen einhalten: Abstand halten, Hände waschen, Maske tragen. Wenn Sie unter immunsuppressiver Therapie stehen, bitte eine FFP2 Maske tragen und darauf achten, dass die Menschen in Ihrer Umgebung auch Masken tragen.

Und all das meint: vorsichtig sein und auf sich selbst aufpassen – ja ! Angst haben – Nein !

 Und damit wünsche Ich Ihnen wieder einmal alles Gute !

Beste Grüße,

Dr. med. Susanne Weyrauch

 

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