Ernährung

Meine sehr geehrten Patienten !

Als ich im letzten Artikel wieder auf die positiven Auswirkungen von Ernährung bei Arthritis kam und ich dann auch noch vor wenigen Tagen ein Gespräch mit einem Patienten über die positiven Effekte von Ernährung auch auf abdominelle Beschwerden geführt habe und auf die Frage : “…können Sie mir “ernährungstechnisch” was empfehlen ?”  gefühlt Mi-nu-ten-lang (15 ?) geredet habe und schon dachte, der Patient hätte vielleicht aufgelegt, was er netterweise nicht getan hat (Ja, wir waren am Telefon, immernoch „Corona-Zeit“), da war mir mal wieder klar : es gibt viel zu sagen und zu schreiben zum Thema Ernährung. Also los – wenigstens mal anfangen. Das Thema ist auch nie fertig, dazu gibt es immer was zu sagen und dazu werde ich hier auch immer wieder schreiben.

Sitzen Sie bequem ?

Es dauert ein bißchen.

Wie Ernährung Entzündung im Körper beeinflussen kann.

Das Thema “wie Ernährung Entzündung im Körper beeinflussen kann” ist sicherlich mit Blick auf  chronisch entzündlichen Darmerkrankungen eher allgemein.

Oft geht es ja für Sie beim Thema Ernährung eben nicht um “Allgemeines”, sondern um ganz bestimmte Situationen im Rahmen Ihres M. Crohn oder Ihrer Colitis ulcerosa. Die dann auch eine grundlegend andere Herangehensweise an das Thema Ernährung erforderlich machen.

Bei Ernährung im Kontext einer chronisch entzündliche Darmerkrankung geht es auch immer um Themen wie Mangelernährung. Durch die Entzündung im Darm können mitunter bestimmte Nährstoffe nicht ausreichend aufgenommen werden. Wenn nach einer OP ein mehr oder weniger langer Darmabschnitt fehlt, kann sich das auswirken. Das ändert mitunter alles und macht eine bestimmte Ernährung erforderlich.

Es geht um Themen wie Osteoporose, ich schrieb in dem Artikel über Vitamin D darüber, das ist auch schon fast eine Art “Begleiterkrankung”.

Es geht um Entwicklung und Wachstum, manche Patienten sind noch im Teenager- oder sogar Kindesalter. Bei den Kindern geht es bei Ernährung um nicht weniger als die Therapie – beim M. Crohn im Kindesalter ist die Therapie : Ernährungstherapie.

Und bei den Erwachsenen …?  Ich persönlich sage  ganz klar : ja – Ernährung gehört bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen bei M. Crohn und bei Colitis ulcerosa auch bei Erwachsenen zur Therapie. Nicht weniger. Mit Ernährung kann man den Darm und die Entzündung im Darm absolut beeinflussen und dazu schreibe ich Ihnen heute auch ganz viel (aber bei Weitem nicht alles, was es zu dem Thema Ernährung und Entzündung zu schreiben gäbe. Das ist für einen Artikel einfach zu viel) , und somit gehört für mich Ernährung ganz klar zur Therapie. Auch bei Erwachsenen. Natürlich Therapie, für die Sie als Patient etwas beitragen müssen.

Bei dem Thema Ernährung im Kontext von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen gilt es außerdem zu unterscheiden: habe ich einen Patienten in einem mehr oder weniger schweren Schub vor mir oder einen Patienten in Remission ?

Im Schub vertragen Sie bestimmte Lebensmittel einfach gar nicht, mitunter ist es sogar erforderlich, den Darm wirklich für ein paar Tage ganz in Ruhe zu lassen und gar keine Nahrung zu sich zu nehmen. Dann aber können die Lebensmittel, die Ihnen im Schub Probleme machen (zB faserreiche Kost, Ballaststoffe, dazu schreibe ich weiter unten noch), Ihnen und Ihrem Darm in der stabilen Remission dann wieder sehr gut tun.

Dann bringen einige der Patienten Einschränkungen mit, die berücksichtigt werden müssen. Viele Patienten mit M. Crohn oder auch Colitis ulcerosa haben eine Laktoseintoleranz, ich kenne einige, die Gluten nicht vertragen (ohne Diagnose einer Sprue oder Zöliakie).

Aber der Aufhänger für diesen Artikel war, dass Ernährung Entzündung beeinflusst. Und darüber will ich heute schreiben. 

Das entscheidende sind auch beim Thema Ernährung bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen immer wieder: die Grundlagen. Damit Sie verstehen, was in Ihrem Darm passiert.

Mit einem “ich darf nicht so und so essen, sondern muß so und so essen” sind die Aussichten auf Erfolg – in dem Sinne, dass Sie stressfrei Ihre Ernährung umstellen – eher gering.

Wenn Sie die Zusammenhänge verstehen, fällt es Ihnen leicht, Ihre Ernährung Stück für Stück anzupassen oder umzustellen.

Und Veränderungen brauchen eben Zeit, damit Sie sich dran gewöhnen können und sie Ihnen dann irgendwann “in Fleisch und Blut übergehen” wie man so sagt.

 Und Sie wissen inzwischen, dass es mir hier bei I.M. INFORMATION MATTERS  immer darum geht, das Sie die INFORMATIONEN erhalten, die Sie brauchen , um sich besser zurechtzufinden. Und Ihre ganz persönliche Situation auch besser verstehen und nach Möglichkeit – und Ernährung bietet diese Möglichkeit – auch positiv beeinflussen.

Was gibt es noch zu sagen, über das "wo" des M. Crohn ?

Vorab und ich sage das, ohne Ihnen gleich alles vermiesen zu wollen: es paßt nicht immer eine Empfehlung für alle. Ich bin auch nocheinmal die Literatur zu chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und Ernährung durchgegangen und habe auch immer wieder gemerkt: die Studien sind meist klein, das heißt immer nur wenige Patienten oder im Grunde nicht wirklich vergleichbare Patienten. Natürlich ist es schwer wirklich “Studien” zu chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und Ernährung durchzuführen, denn man muß vergleichbare Patienten finden. Also prinzipiell gleich alt, gleiches Geschlecht, gleiche Erkrankung (M. Crohn, Colitis ulcerosa), etwa gleicher Erkrankungsverlauf, gleiche Medikation …, das ist schonmal schwierig.

Und in sog. “gute Studien”, die dann eine objektive Aussage als Ergebnis haben, werden ja immer Behandlungen gegen “nicht Behandlungen” oder” andere Behandlungen” getestet. Wie bei Therapien, die testet man zuerst gegen ein sogenanntes Placebo. Und zwar ohne, dass der Patient weiß, ob er oder sie das Medikament oder eben das “Scheinmedikament” bekommt.

Versuchen sie das einmal bei Ernährung – das ist schlicht und ergreifend nicht möglich.

Die Patienten sehen, was Sie essen, und für Lebensmittel gibt es halt kein Placebo. Also ein Nahrungsmittel, dass wie das Original aussieht aber 0,0 von den Inhaltsstoffen hat. Nein, es ist einfach ganz schwierig, sich dem Thema auf die Art zu nähern, wie man das sonst für therapeutische Ansätze macht.

Als ich mir das einmal klar gemacht habe, habe ich auch verstanden, warum einige Kollegen steif und fest behaupten : wir können keine Ernährungsempfehlungen für die Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen aussprechen. Wir haben keine “guten Studien”.

Ich gebe zu, vorher hatte ich sie in erster Linie für ignorant gehalten, aber wenn man es von der Perspektve aus sieht, kann man diesen Standpunkt durchaus einnehmen.

Ich tue das aber nicht.

Denn ich weiß, dass es sehr wohl und gar nicht so wenig gibt, was ich Ihnen zum Thema Ernährung raten kann.

Und wissen Sie wer es noch weiß – SIE ! Und ganz viele Kollegen, die täglich mit Patienten mit den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen zu tun haben und in etwa folgende Konversation x-mal am Tag oder in der Woche führen:

-“Guten Tag, wie geht es Ihnen ?”

– “Gut !”

– “Was macht der Bauch ?”

– “Ok !”

 – “Was heißt ok ?”

“… Ja, ist schon gut, außer ich esse “was falsches”. Dann…!”

Nahezu täglich.

Um also starten wir noch mal von vorne: Die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, M. Crohn und Colitis ulcerosa sind Erkrankungen, die wir im Darm sehen und die auch dort stattfinden, die aber sehr viel mit dem Immunsystem zu tun haben.

Das Immunsystem im Darm reagiert auf das, womit es im Darm in Kontakt kommt. Dem Darminhalt, den Nahrungsbestandteilen den Darmbakterien oder auch: dem Mikrobiom.

Übers Mikrobiom möchte ich im Zusammenhang mit Ernährung hier eher kurz schreiben. 

Was wir wissen ist, dass bei Patienten mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung (CED) die Vielfalt der Darmbakterien viel geringer ist als bei Patienten, die keine CED haben.

Ob diese mangelnde Vielfalt jetzt aber Ursache oder Folge der Erkrankung ist, weiß im Grunde kein Mensch. Da geht’s schon los …

(…und deswegen schreibe ich auch nicht so gerne über das Mikrobiom. Wir denken immer, wir wissen ganz viel aber eigentlich wissen wir gar nichts, so kommt es mir vor)

Insgesamt ist aber akzeptiert, dass es für unsere Gesundheit und auch für unsere “Darmgesundheit” besser ist, wenn wir eine möglichst große Vielfalt von Darmbakterien haben.

Es gibt tatsächlich Nahrungsmittel, die scheinen diese Vielfalt der Darmbakterien – oder auch die Diversität des Mikrobioms, meint das gleiche – zu reduzieren.

Und es gibt Nahrungsmittel, die Erhöhen diese Vielfalt.

Ich fange heute mal an damit, dass ich über eine Gruppe von Nahrungsmitteln und Nahrungsbestandteilen schreibe, die sich positiv auswirkt und eine Gruppe, die sich negativ auswirkt.

Und ich werde Ihnen immer wieder im Blog Artikeln in dieser Art über Ernährung schreiben.

Zuerst zu den Nahrungsmitteln, welche die Vielfalt des Mikrobioms (Darmbakterien) erhöhen: Dazu gehören: Ballaststoffe.

Das hat man untersucht, wenn Patienten mehr Ballaststoffe zu sich nehmen, erhöht sich die Vielfalt der Bakterien in ihrem Darm (oder auch: die Diversität des Mikrobioms, das meint dasselbe).

Und das Wichtige bei den Bakterien sind nicht zuletzt ihre Stoffwechselprodukte, die auch eine Wirkung im Darm haben. Kurzkettige Fettsäuren sind ein prominentes Beispiel für “gute” Stoffwechselprodukte, vielleicht haben sogar einige von Ihnen schon einmal davon gehört. Diese kurzkettigen Fettsäuren können Entzündung im Darm hemmen.

Also sorgen Ballaststoffe für mehr Vielfalt von Darmbakterien, wodurch mehr “gute” Stoffwechselprodukte wie kurzkettige Fettsäuren entstehen, die sich positiv auf den Darm auswirken, indem sie zu einer Hemmung der Entzündung beitragen.

Und – unter der Einschränkung, dass wir nicht wissen was die Henne ist und was das Ei, wenn wir zur Kenntnis nehmen, dass Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, mit M. Crohn oder Colitis ulcerosa eine geringe Vielfalt an Darmbakterie haben, könnte man vermuten, dass durch weniger Entzündung bessere Voraussetzungen für eine größere Vielfalt an Darmbakterien entsteht. Die dann wiederum durch gute Stoffwechselprodukte…usw.

 

 

Gar nicht schlecht, oder ?

Fehlt nur noch : wo finden Sie Ballaststoffe bzw. in was für Nahrungsmitteln befinden sich Ballaststoffe ?

In guten Vollkornprodukten (Vollkornmehl), Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte.

Mein Tip wäre ja, sämtliche Getreideprodukte und Backwaren auf Vollkornprodukte umzustellen. Und zwar gute vollwertige Vollkornprodukte. Vom Brot, über Nudeln, auch den Reis und: essen Sie Gemüse. Essen Sie mehr Gemüse als Fleisch, Wurst oder Käse.

Die Entscheidung, ab sofort ausreichend viele Ballaststoffe zu sich zu nehmen, kann für Sie wirklich etwas verändern.

Vorausgesetzt – klar kommt ein ABER – dass sie sich nicht in einem akuten Schub befinden.

Im Schub machen Ballaststoffe wirklich mehr Beschwerden, da lieber bei leicht verdaulichen Sachen bleiben (Zwieback, Weißbrot).

Also einen Punkt für bessere Ernährung, die sich positiv auf Entzündung auswirkt, hätten wir.

Ballaststoffe.

Was noch ?

Erstmal wieder zurück zum Darm und der Entzündung im Darm, dem Immunsystem in Darm. Damit es Ihnen so klar wird wie bei den Ballaststoffen, warum Sie etwas tun bzw. lassen sollen.

In welchem Ausmaß reagiert das Immunsystem denn auf den Darminhalt, das Mikrobiom, die Darmbakterien?

Ganz genau in dem Ausmaß, in dem es mit diesen “Antigenen” in Kontakt kommt, konfrontiert wird.

Da geht es um die Darm-Barriere oder genauer die Barrierestörung. Diese Barriere besteht – ganz grob – aus einer Schleimschicht, die den Kontakt des Darminhaltes mit den Zellen der Darmschleimhaut und auch den Immun– oder Abwehrzellen im Darm begrenzt und aus ganz festen Verbindungen besteht, welche die Darmzellen untereinander ausbilden. Man kann sich das so vorstellen, als würden sich die Zellen der Darmschleimhaut fest an den Händen halten oder “unterhaken” und “niemanden durch lassen”.

(…Dass Zellen keine Hände und Arme haben sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Dass ich Bilder mag, wissen Sie inzwischen auch)

Bei den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, M. Crohn und Colitis ulcerosa gibt es eben diese sogenannte Barrierestörung, das ist ein grundlegender Mechanismus der Erkrankung. Die Schleimschicht ist angegriffen und der Zusammenhalt der Zellen ist angegriffen, es entstehen winzige Lücken zwischen den Zellen und über die entsteht der direkte Kontakt der Abwehrzellen mit dem Darminhalt. Das ist übrigens auch der Mechanismus des überall beschriebenen und “beschrieenen” “leaky gut”.

Was dann im Falle von einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung zu einer sehr heftigen Entzündungsreaktion im Darm führt.

Und wodurch kann jetzt die Schleimhautbarriere, diese Schutzschicht beeinflusst werden ?

Auch wieder durch das, was eben im Darm und an der Darmoberfläche ist. Das ist auch wieder das Mikrobiom, die Darmbakterien, aber das ist auch die Ernährung, das sind die Nahrungsmittel.

Wie heißt es immer so schön auf allen Fortbildungen und Kongressen und in vielen Artikeln in den wissenschaftlichen Zeitschriften ?:

“Das Auftreten von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED), M. Crohn und Colitis ulcerosa korrelliert mit dem sogenannten “westlichen Lebensstil” und einer “westlichen Diät”.”

Das meint – was den Lebensstil angeht die – oft fehlende Bewegung, eine fehlende Regelmäßigkeit, einen fehlenden Rhythmus im Alltag, wenn nicht im Leben ganz allgemein (Schichtdienste, Wechselschichten, generell viele Stunden “gestresst” und mindestens latent angespannt bei der Arbeit, nicht genug Pausen. Keine festen Essenzeiten, überhaupt Nahrungsaufnahme eher “nebenbei und unbewusst”.

Denn mal ehrlich? – wie oft ißt man vor dem Bildschirm oder vielleicht noch Fernseher. Wie oft holt man mittags im Job eine Tüte mit irgendetwas raus und ißt neben der Arbeit einfach weiter? Das gehört für ganz viele zum Alltag. Und ob das aber zu unserer “Stabilität” und zu unserer Gesundheit beiträgt, ist eben mal die ganz große Frage.

(Erkennen Sie sich eigentlich wieder?)

Zum westlichen Lebensstil zählt auch Rauchen, Alkoholkonsum, Medikamentenkonsum, “Stress”, Reizüberflutung.

Und die Ernährung der westlichen Welt – oder auch der Industrieländer, denn das ist gemeint – bedeutet eben: viel Zucker, ich würde ergänzen: auch viel Süßstoffe und Nahrungszusatzstoffe, viel Fleisch und tierisches Eiweiß, wenig Obst und Gemüse.

Was die Nahrungsmittel angeht, lassen Sie uns einmal bei der Zubereitung beginnen. Das allein ist schon wesentlich. Und es geht nicht zwingend darum zu propagieren, 3 x täglich für mehrere Stunden in der Küche zu stehen um Mahlzeiten zuzubereiten. Es geht eher darum sich klar zu machen: wie schaffen wir es denn, eben nicht mehr Nahrung immer frisch zubereiten zu müssen und trotzdem oft ein “fertiges Essen” zu haben ?

Unsere Lebensmittel sind “verarbeitet”. Damit sie halten, frisch aussehen, Farbe haben (soll ja gesund und frisch aussehen), haltbar sind (soll ja mindestens 3 Tage im Kühlregal stehen und immernoch aussehen wie am 1. Tag) und : schmecken.

Es ist fast alles jederzeit verfügbar. Und es gibt ein extreme Vielfalt.

Mein Lieblingsbeispiel ist Joghurt. Normaler Joghurt ist weiß und schmeckt – nach Joghurt. Nicht süß, nicht nach Erdbeeren, nicht nach Himbeeren, schon gar nicht nach Vanille oder Straciatella. Und auch wenn man Erdbeeren reinschnippelt, oder eine Vanilleschote auskratzt und reinmischt – man schmeckt die Erdbeeren, man schmeckt die Vanille (wahrscheinlich schon weniger, habe es nie ausprobiert) und man schmeckt den Joghurt. Aber es schmeckt nicht süß und schmeckt garantiert nicht nach “Erdbeergeschmack” den wir von Joghurts, Müsli und Co. “kennen”.

Es gibt so viele Fertigprodukte, aus der Dose, aus einer Packung, einem Glas oder auch Tiefkühlkost oder auch nur diese vermeindlich frischen Produkte aus dem Kühlregal. An fast jeder Ecke findet man Teigwaren, die total frisch aussehen, riechen, extrem schokoladig riechen und die wir -oft gar nicht mal bei einem Bäcker – für auffallend wenig Geld kaufen können.

Und es gibt Diät-Lebensmittel. “Ohne Zucker” und “ohne Fett”. Dafür mit zahlreichen Nahrungszusatzstoffen, die für Farbe, Haltbarkeit, Konsistenz und Geschmack sorgen.

Zusammengefasst

Und – jetzt komme ich auf den Punkt – wir wissen, dass einige von den Nahrungszusatzstoffen zum einen die Darmbakterien, das Mikrobiom beeinflussen und zwar nicht zum positiven.

Und wir wissen, dass sie zu einer Schädigung der Schleimhautbarriere führen.

Und somit begünstigen genau diese Nahrungsmittel Entzündungen im Darm (möglicherweise auch anderswo, aber da habe ich mich nicht in die Literatur vertieft).

In jedem Darm und erst recht wenn bei Patienten mit einer chronisch entzündlicher Darmerkrankung die Entzündung sowie so schon läuft, wird es mit dieser “westlichen Ernährung” alles, aber nicht besser.

Also möchte ich Ihnen als Patient mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung, einem M. Crohn oder einer Colitis ulcerosa hier und heute empfehlen : vermeiden sie prozessiertes Essen.

Vermeiden Sie Fertigprodukte. Vermeiden Sie ehrlichgesagt auch Kantinenessen, dass morgens um 8:00 Uhr für hunderte von Leuten zu günstigen Preisen zubereitet wird und mittags um 14:00 Uhr immernoch – seit Stunden warmgehalten oder aufgewärmt – an den Mann und die Frau gebracht wird.

Vermeiden Sie Tiefkühlkost und Convenienceprodukte wie Fertigsaußen, Fertiggerichte.

Meiden Sie “low calorie” und “low fat” also Diät-Produkte (wobei ich glaube, da sind Sie mit Ihrem M. Crohn oder Ihrer Colitis ulcerosa gar nicht so gefährdet. Falls ich mich täusche: weglassen!).

Und das Meiden von Nahrungszusatzstoffen gilt auch und vielleicht erst recht für “flüssige Nahrung” also für Getränke. Auf der Liste stehen: Soft Drinks, Zero Sugar Drinks, Eis-Tees, Energy-Drinks, Säfte. Trinken Sie möglichst gutes Wasser, trinken Sie Tee.

Ich sage meinen Patienten immer: Sie dürfen alles essen, aber wissen Sie, was Sie essen!

Wenn Sie Joghurt mit Erdbeeren wollen, nehmen Sie sich einen Naturjoghurt, schneiden Sie Erdbeeren rein. Fertig, Aber essen sie nichts, von dem sie nicht wissen, was drin ist.

Jetzt wäre ja fast direkt das Thema “Milchprodukte bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen” dran. 

Auch ein weites Feld, schreibe ich sicher noch einmal etwas dazu.

Das Thema Ernährung ist fast unerschöpflich.

Und der Artikel schon fast wieder zu lang.

Nochmal die Empfehlung für Sie: essen Sie genug Ballaststoffe in Form von guten Vollkornprodukten, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte

  • Einzige aber wichtige Voraussetzung: kein Schub ! –

Tun Sie es nicht, weil ich oder irgendwer es Ihnen sagt, sondern weil Sie, nachdem Sie das hier gelesen haben, verstanden haben und wissen: es ist besser für Ihre Darmflora, Ihr Mikrobiom, dass zum einen vielfältiger werden kann und dann auch viel bessere Stoffwechselprodukte im Darm für den Darm und das Gleichgewicht dort zur Verfügung stellen kann und sich das dann positiv auf die Entzündung im Darm auswirkt, nämlich die Entzündung hemmt.

Meiden Sie Fertigprodukte, Convenience-Food, aromatisierte Produkte, light Produkte, low fat Produkte, alles was bereits im Supermarkt 2 Tag im Kühlregal steht und noch 2 Tag da stehen soll und immer gleich aussehen soll.

Und auch hier: nicht weil Ihnen irgendjemand sagt: das ist „böses Essen“, sondern weil Sie jetzt verstehen können, dass auch diese Nahrungsmittel etwas in ihrem Darm machen, was aber leider zu mehr Entzündung führt. Und das letzte was, Sie brauchen, ist mehr Entzündung im Darm.

Und: Ja, im Falle wird das eine Umstellung auf verschiedenen Ebenen.

Am Anfang werden einige Sachen fad und langweilig schmecken. Nach ein paar Monaten werden Sie sich dann aber fragen, wie Sie früher die künstlichen Geschmäcker und Konsistenzen ertragen haben.

Und jetzt habe ich hier wirklich lange über Ernährung, Ballaststoffe und Nahrungszusatzstoffe geschrieben. Der Rest liegt dann eher bei Ihnen.

Worum es nächstes Mal geht, weiß ich noch nicht.

Wieder einmal alles Gute für Sie !

Beste Grüße.

Susanne Weyrauch

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