Das Mikrobiom - macht einen unterschied...

Meine sehr geehrten Patienten !

Jetzt hatte ich Ihnen im letzten Artikel ziemlich ausführlich geschrieben, wie Stress über Nervensignale den Darm beeinflussen kann und wie sich das auch auf die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen M. Crohn und Colitis ulcerosa auswirken kann.

Und zuerst wollte ich gar nicht über das Mikrobiom schreiben. Denn auch wenn wir an allen Ecken und Enden etwas von der Darmflora – und das meint ja das Mikrobiom – hören und das mitunter so klingt, als wäre das alles ganz einfach, ein paar Bakterien eben und als reiche eine Stuhlanalyse (für … 250 €) und dann nimmt man “was für die Darmflora“, macht eine “Darmsanierung” (sorry, über das Wort muß ich immer mal wieder lachen)  und dann läuft der Laden schon … – so einfach ist es bei Weitem nicht.

Beim Thema Mikobiom sollte man sich einfach immer klar machen, dass wir zwar inzwischen schon einiges über das Thema wissen, aber wie genau da was funktioniert, wie die Bakterien, nicht zu vergessen die Viren und Pilze im Darm sich gegenseitig beeinflussen, darüber wissen wir eben auch bei Weitem nicht alles. 

Wenn man sich mit dem Thema Stress und die Auswirkungen auf den Darm befasst, geht es aber immer wieder um das Mikrobiom. Immer wieder taucht es auf und immer wieder wird darauf hingewiesen, dass sich Stress auf das Mirkobiom auswirkt . Und dass das Mikrobiom seinerseits unser Verhalten und auch unsere Stressresistenz beeinflussen kann.

Also: man kommt nicht so richtig drumrum… 

... Mikrobiom ?

Vorweg: nicht alle Menschen haben das gleiche Mikrobiom – logisch. Entscheidende Faktoren sind Geographie, also tatsächlich wo man herkommt bzw. seit längerem lebt, die Genetik spielt eine Rolle und Ernährung (Letzteres ! (Lieblingsthema !) s.u.!).

Mikrobiom” ist ein anderer Begriff für “Darmflora” und bezeichnet die Gesamtheit der Bakterien im Darm. Es sind sehr viele, es sind unzählige verschiedene und sie sind wichtig. Und sie sind nicht einfach nur da, sie machen was. 

Ihre “Aufgabe”, die auch viele kennen, ist die “Verdauung“. Dahinter verbirgt sich zum einen die Verdauung komplexer Kohlehydrate, also das “Zerlegen” von Zuckermolekülen / Kohlehydraten. Dabei entstehen Stoffwechselprodukte wie z.B. (prominentestes Beispiel) kurzkettige Fettsäuren. Diese Stoffwechselprodukte sind dann auch nicht nur zufällig da, sondern sie wirken sich ihrerseits auf den Darm aus. Am Beispiel kurzkettige Fettsäuren auf die Schleimhautbarriere. Die Darmbakterien / das Mikrobiom ist auch an der Synthese spezieller Vitamine beteiligt. Ein “gesundes”  Mikrobiom ist außerdem wichtig für die Eindämmung sog. “pathogener” Bakterien, also “schädlicher” Bakterien. Die sind mitunter in geringer Menge im Darm vorhanden und man merkt es gar nicht. Wenn die Anzahl die schädlichen (pathogenen) Bakterien aber zunimmt und dementsprechend ihr “Einfluss” (z.B. durch ihre nicht so guten Stoffwechselprodukte), dann macht das Probleme und kann Schaden anrichten.

Dabei ist das mit den “guten” und “schlechten” Darmbakterien so eine Sache (wie ja fast immer mit “gut” und “schlecht”, “gut” und “böse”, aber das ist ein anderes Thema …).

Im Grunde kann man nicht von “gutem” oder “schlechtem” Mikrobiom oder eben von “guten” oder “schlechten” Darmbakterien sprechen. Vielmehr geht es wieder einmal um das Gleichgewicht. Das Gleichgewicht der verschiedenen Bakterien ist entscheidend.

Und dieses Thema von “Gleichgewicht” und “Ungleichgewicht” der Darmflora hat ganz viel mit Ihnen und Ihrer chronisch entzündlichen Darmerkrankung zu tun. 

Denn bei Patienten mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung, einem M. Crohn oder einer Colitis ulcerosa findet man eine sogenannte “Dysbiose“. Vielleicht haben einige oder viele von Ihnen das auch schonmal gehört. Dysbiose meint mit Blick auf das Mikrobiom “Ungleichgewicht”. Man findet bei Ihnen – im Vergleich zu Menschen ohne chronisch entzündliche Darmerkrankung” eine verminderte Anzahl von bestimmten,  sogenannten “guten” Bakterienstämmen, dafür dann aber mehr von den “nicht so guten”. Also ein “Ungleichgewicht” (Dysbiose). 

Ob das Mikrobiom bei Patienten mit einer CED verändert ist, weil die CED da ist (also allein “im Körper steckt”) oder ob die CED  der M. Crohn oder die Colitis ulcerosa entsteht, weil das Mikrobiom verändert ist, allein das ist immernoch nicht ganz geklärt.

Kommunikation...

Das Mikrobiom kommuniziert mit dem Immunsystem. Und zwar nicht nur in seiner Eigenschaft als “Bakterienmasse” , die einen “Trigger” darstellt. Das Mikrobiom kann auch über bestimmte Signale zur Stabilisierung des Immunsystems beitragen. kann (oder eben nicht… Das jetzt weiter auszuführen sprengt den Rahmen)

UND: Das Mikrobiom steht auch mit dem Nervensystem (oder auch mit den Nervensystemen wie wir wissen…) in Verbindung. Und auch hier findet eine Art Kommunikation statt, in beide Richtungen. Die Nervenenden im Darm nehmen das Mikrobiom wahr, seine “Zusammensetzung”, auch über Stoffwechselprodukte und werden dadurch in ihren Signalen beeinflusst. Genau wie bei der Interaktion mit dem Immunsystem ist auch bei der Interaktion mit den Nerven die Situation bei einem “leaky gut“… 

(…das war nochmal wenn durch Entzündung die Schleimhautbarriere “nicht mehr ganz dicht” ist und die Darmbakterien in viel engeren Kontakt mit den Zellen in der Darmschleimhaut kommen, als das “normalerweise” der Fall ist)   

… eine spezielle Situation. Die dementsprechend zu mehr Reaktion der Nervenzellen oder Immunzellen führt. 

Aber auch ohne “leaky gutkommuniziert das Mikrobiom über seine Stoffwechselprodukte mit dem Nervensystem. Diese Stoffwechselprodukte können dann die Freisetzung von bestimmten Botenstoffen bewirken, die an den Nervenzellen als “Signalstoffe” wirken.  

 Und umgekehrt wirken sich auch Nervensignale auf das Mikrobiom aus. Zum Beispiel verändert sich das Mikrobiom bei – ja, genau – Stress und grade auch bei psychosozialem Stress.  

Und diese gegenseitige Beeinflussung von Mikrobiom und Nervensystem geht nochmal einen Schritt weiter:  Man geht davon aus, dass sich durch durch Beeinflussung des Mikrobioms  das Verhalten beeinflussen läßt (“krass, oder ?“). Das hat man in erster Linie in Tierversuchen untersucht, da ging es auch grade um Verhalten wie “Ängstlichkeit“, und auch “Stressresistenz“.

Aber auch für Menschen wurde das untersucht und da hat man ähnliche Effekte und Zusammenhänge gefunden. Alles, was man dazu bei Menschen untersucht hat, geht immerhin so weit, dass es inzwischen den Ansatz der “Psychobiotics” gibt.  Unter der Vorstellung bzw. der Erkenntnis, dass durch bestimmte Bakterienstämme, die Stimmung und das emotionale Verarbeiten beeinflusst werden kann.

Das ist noch alles eher in einem sehr frühen Stadium. Sie können nicht in die Apotheke gehen und sagen: ich hätte gerne was für die Darmflora und zwar etwas, was mich stressresistenter macht. Ich wollte Ihnen verdeutlichen, dass auch Emotionen, emotionales Verhalten oder auch mentale Fähigkeiten wenn Sie so wollen, auch weniger diffus sind als wir vielleicht glauben.

Spannend, oder ? 

Was hat`s mit Ihnen zu tun ?

Ok, schön und gut  – nur was hat`s jetzt mit Ihnen zu tun ? Und auch speziell mit Ihnen und Ihrer CED, Ihrem M. Crohn und Ihrer Colitis ulcerosa

Also ich hoffe erstmal wie immer hier bei I.M. INFORMATION MATTERS: ein weißer Fleck weniger auf der Landkarte von Darm, chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, M. Crohn, Colitis ulcerosa. Wieder ein bißchen mehr eine Vorstellung, welche Komponenten für Ihre chronisch entzündliche Darmerkrankung – aber eben auch für Ihre Darmgesundheit – relevant sind. . 

Und bei allen Einschränkungen (ich schrieb es oben: Ihr Mikrobiom ist prinzipiell mal anders aufgestellt als das Mikrobiom von Menschen ohne chronisch entzündliche Darmerkrankung) ist es doch auch wieder mal etwas, was Sie bis zu einem gewissen Punkt mit beeinflussen können. Es ist eine von diesen “kleinen Stellschrauben” wie ich es immer nenne.

Um es aufzulösen und auch den Bogen zum Thema Stress bei CED zu schlagen (denn das war der Ausgangspunkt für mich, diesen Artikel zu schreiben): Stress wirkt sich auf alles aus. Auch auf das Mikrobiom. Und auch, trotzdem oder grade weil wir wissen, dass bei Ihnen aufgrund der chronisch entzündlichen Darmerkrankung (oder als Folge, s.o.) bereits gewisse Veränderungen des Mikrobioms bestehen und eine sog. Dysbiose (das war das Ungleichgewicht der Darmbakterien) vorliegt: das Mikrobiom kann den Faktor “Stress” bzw. die negativen Auswirkungen von Stress auf den Darm weiter  “triggern” und verstärken.  Oder es kann den Darm gegen die Auswirkungen von Stress stabilisieren und einen  “protektiven” (schützenden) Effekt haben.

Deswegen möchte ich Sie dazu motivieren, einen Beitrag zur Stabilisierung Ihres Mikrobioms zu leisten. Durch – Sie ahnen es (und jetzt alle): Ernährung ! Denn Ernährung kann das Mikrobiom und somit Ihren Darm stabilisieren. Oder  –  destabilisieren

Denn was passiert, wenn Sie gestresst sind (wenn wir alle gestresst sind, gilt für jeden, für mich, ist nichts CED – spezifisches !) ?

Man trifft schneller mal Entscheidungen, die der Gesundheit nicht so zuträglich sind, obwohl nan grade in Belastungssituationen besonders auf sich achten sollte. Mit Blick auf Ernährung fängt man an, sich schnell “irgendetwas ” reinzuziehen, die leichte, schnelle Lösung zu wählen.

Und das wirkt sich aus und macht immer einen Unterschied. Grade wenn Sie merken, dass der Darm “wackelt”, grade wenn viel los ist, über Tage, Wochen, Monate. sind alle Gerichte oder Nahrungsmittel mit zu vielen künstlichen Aromastoffen, Konservierungsstoffen, Emulgatoren, Süßungsmitteln, aber auch zu viel Fett und Zucker…

(Betonung auf zu viel ! Fett und Zucker sind wichtige Energielieferanten, die braucht der Körper. Die Richtigen, in Maßen…!)

… nicht das Richtige. Denn Sie haben eine proinflammatorische Wirkung, das heißt, Sie triggern Entzündung im Darm. Und das tun sie unter anderem durch Ihre “Wirkung” auf das Mikrobiom.

Das ist allgemeingültig, aber diese Allgemeingültigkeit trifft für Sie mit einer CED nochmal extremer zu. 

Was also ist zu tun ?

Sie können das in meinem Blog in dem Artikel, “Ernährung bei CED” lesen und in dem Artikel über “Milchprodukte bei CED” und in dem über “Alkohol bei CED” (ist ja oft auch so n` Stressding… und völlig verkehrt !).

(Sie können das prinzipiell auch an anderen Stellen lesen oder hören, denn es ist wirklich und erfreulicherweise kein Geheimnis mehr.) 

Hier deswegen nur kurz: Essen Sie “natürlich“, meiden Sie künstliche  Konservierungsstoffe, Farbstoffe, Emulgatoren, Aromastoffe, Zuckerersatzstoffe. Essen Sie Ballaststoffe. Ihr Darm und Ihr Mikrobiom,  liebt Ballaststoffe (die stabilisieren die Schleimhautbarrierestabilisieren das Mikrobiom. Stabileres Mikrobiom – mehr “gute” Stoffwechselprodukte, die wiederum Darm und Schleimhautbarriere stabilisieren

Essen Sie Milchprodukte in Maßen, gerne die probiotischen (z.B. Joghurt, Kefir). Auch das ist toll für den Darm, auch das stabilisiert das Mikrobiom, stabilisiert die Schleimhautbarriere, stabilisiert indirekt darüber das Immunsystem.

Machen Sie sich klar, dass Sie durch Ihre Ernährung immer Ihren Darm und damit Ihr Mikrobiom beeinflussen. 

In diesem Sinne einmal mehr alles Gute für Sie.

Beste Grüße, Ihre

Dr. med, Susanne Weyrauch hier bei I:M: INFORMAT

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